Vortrag des Steuerrechtsexperten Thorsten Branz

Wenn die Zuhörer des Infoabends „Gewerbesteuer – Fluch oder Segen?“ am vergangenen Dienstag eines mit nach Hause nehmen konnten, so war es die Gewissheit, dass die Gewerbesteuer alles andere als ein einfach durchschaubares System ist. Wobei das Steuersystem selbst noch recht verständlich ist, kompliziert machen es vielmehr die verschiedenen Rechtsformen von Unternehmen und Konzernen sowie deren Struktur. Deshalb sei es für Gemeinden nicht leicht, zu erkennen, ob ein Gewerbe nicht nur Arbeitsplätze vor Ort schafft, sondern auch das Stadtsäckel mit der Gewerbesteuer unterstützen kann.

Neben Herrn Bürgermeister Seithel waren Mandatsträger aus verschiedenen Fraktionen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Rauenberg und den Nachbargemeinden der Einladung der Rauenberger CDU und ihres Vorsitzenden Jürgen Bender ins Alte Kino gefolgt, um sich beim Vortrag des Wirtschaftsprüfers Thorsten Branz zu informieren.

Die Quintessenzen:
- Die Gewerbesteuer fällt grundsätzlich auf den Gewinn an. Dessen Höhe kann sich für die Gewerbesteuerberechnung verändern durch Hinzurechnungen (z.B. durch Schuldzinsen, Mieten) und Kürzungen (z.B. bei Immobilienfirmen, die ausschließlich Grundbesitz und Kapital verwalten, oder bei Gewinnen aus ausländischen Betriebsstätten).
- Gemeinden können den Gewerbesteuerhebesatz selbst festlegen, die Mindesthöhe liegt bei 200 Prozent. Rauenberg liegt bei 380 Prozent, der deutschlandweite Durchschnitt bei 402 Prozent.
- Hat ein Unternehmens mehrere Betriebsstätten, so wird die Gewerbesteuer anteilig zerlegt, abhängig von der Höhe der Arbeitslöhne und der Anzahl der Arbeitsplätze pro Betriebsstätte

Doch was bedeutet das für eine Gemeinde? Das erklärte Thorsten Branz anschaulich am Beispiel verschiedener Unternehmensformen. Ideal für eine Gemeinde sei beispielsweise der Sanitärbetrieb, dessen zehn Mitarbeiter im besten Fall in der gleichen Gemeinde arbeiten und leben. Hingegen sei das Tochterunternehmen eines Weltkonzerns, das einen Großteil seines Gewinns als Lizenzgebühr an den Mutterkonzern abgibt, nicht unbedingt die beste Lösung. Ebenso wenig ertragreich für die Stadtkasse sei die Dependance eines Lager- oder Logistikunternehmen, das viel Fläche versiegele, aber nur mit wenigen Mitarbeitern vor Ort sei. Die anschließend intensive Fragerunde der Zuhörer macht klar: Die Gewerbsteuer bietet einige Fallstricke, die bei der Ansiedelung neuer Betriebe im Auge behalten werden müssen.

Jürgen Bender dankte Herrn Branz von der Mannheimer Kanzlei Wonde & Fellhauer mit einem Weinpräsent für seinen kurzweiligen und höchst aufschlussreichen Vortrag.

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